„Mama, wo sind meine Sportschuhe?“ „Was gibt’s heute Abend?“ „Frau Sela, haben Sie den Elternbrief schon unterschrieben?“

Jahrelang hatte ich auf alles eine Antwort. Bei sieben Kindern kannte ich jeden Termin, jede Vorliebe, jede offene Aufgabe im Kopf, zusätzlich zu meinen eigenen Terminen privat und beruflich – als Lehrerin kan da noch einiges hinzu. Ich war stolz darauf und fand mich mega organisiert und diszipliert. Mental Load, dachte ich, betrifft andere Mütter. Ich hatte es im Griff.

Bis mein Körper nicht mehr mitmachte.

Als die Antworten ausblieben

Ich wurde ernsthaft krank, von einem Tag auf den anderen. Ich lag im Bett und konnte nicht einmal entscheiden, was auf die Einkaufsliste sollte.

Was mich mehr erschreckte als die Diagnose selbst: Zuhause brach etwas zusammen, das vorher wie von selbst gelaufen war. Das hatte nichts damit zu tun, dass meine Familie nicht helfen wollte, aber sie konnten nicht. Niemand wusste, wie.

Das gesamte Wissen über unseren Alltag lag in meinem Kopf: wann welche Tablette genommen wird, welches Kind gerade welche Unterstützung in der Schule braucht, wo die wichtigen Unterlagen liegen. Fiel ich aus, stand alles still.

Die Idee von der unentbehrlichen Mutter

Wir behandeln unsere Unentbehrlichkeit oft wie eine Auszeichnung. Wir denken, es sei Liebe, wenn wir alles im Kopf behalten. Wir haben das so gelernt und tragen diese Vorstellungen, was eine „gute Mutter“ so zu tun hat, weiter in uns. In Wahrheit ist es eher ein Risiko für die Familie und für uns selbst.

Als ich wieder halbwegs gesund war, wusste ich: Ich will nie wieder die Einzige sein, die weiß, wie unser Alltag funktioniert. Ich habe angefangen, unser Familiensystem neu aufzubauen. Aber ohne Perfektion, sondern so, dass es für alle funktioniert und sich alle wohl fühlen.

Ich habe gelernt, dass alles, was nur in meinem Kopf ist, im Ernstfall verloren ist. Seitdem steht mehr auf Zetteln, in Kalendern und Absprachen sind fest etabliert, damit nicht alle von meiner Erinnerung abhängen. Und ich habe gelernt, dass es nicht reicht, Aufgaben zu verteilen. Die Verantwortung muss mit übergehen, sonst bleibt der Kopf trotzdem bei mir.

Was ich dir sagen möchte, bevor dein Körper es tut

Du musst nicht erst krank werden, um etwas zu verändern.

Wenn du das Gefühl kennst, dass bei euch zu Hause alles an dir hängt, bist du damit nicht allein. Und es ist kein Zeichen, dass du etwas falsch machst. Es ist ein Signal, dass euer System gerade zu viel auf eine einzige Person verteilt.

Wenn du spürst, dass du selbst gerade mehr brauchst als noch mehr Funktionieren, schau dir Mama-Reboot an.

 

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